H E L M U T   N I C K E L

Das Comicfestival verfolgt die Tradition, Pioniere der deutschen Comicgeschichte auszuzeichnen. Nachdem in den Vorjahren Rolf Kauka und Hansrudi Wäscher mit dem PENG!-Preis geehrt wurden, wird 2011 Helmut Nickel für seine außergewöhnlichen Abenteuercomics wie "Don Pedro" oder seine "Karl May"-Adaptionen ausgezeichnet und mit einer Ausstellung im Jagd- & Fischerei-Museum gewürdigt. Der Künstler wird im Rahmen einer Abendgala am Samstag den 25.06.11 im Künstlerhaus den Preis persönlich entgegennehmen. Bereits am Samstagnachmittag wird Helmut Nickel im Jagd- & Fischerei-Museum bei einem Künstlergespräch über die Comicszene im Nachkriegsdeutschland berichten.

Helmut Nickel wurde am 24. März 1924 in Quohren bei Dresden geboren und zeichnete schon in der Kindheit gerne. Mit achtzehn Jahren wurde er eingezogen und geriet zum Kriegsende in belgische Kriegsgefangenschaft. Als sein zeichnerisches Talent bekannt wurde, erleichterten sich die Haftbedingungen. Er arbeitete als Lagermaler und zeichnete Werbedias für das örtliche Kino. 1949 schrieb er sich an der Freien Universität in Berlin (West) in Ethnologie, präkolumbianischer Kultur und Kunsthistorik ein. Zur Finanzierung des Studiums zeichnete Nickel Wild-West-Geschichten, Die 3 Musketiere, die Piccoloreihe Der Graf von Monte Christo, die utopische Serie Titanus, die Reihe Don Pedro über die Eroberung des Aztekenreiches durch Hernando Cortez und übernahm erfolgreich die Serie Robinson. Nickels Zeichnungen bestechen auch heute noch durch einen perfekten Bildaufbau, gelungene Perspektiven und abwechslungsreiche Grafik.


Don Pedro (Klick auf Bilder für Druckansicht)

1958 schloss Helmut Nickel erfolgreich sein Studium ab. Seine Doktorarbeit "Das mittelalterliche Reiterschild des Abendlandes" verschaffte ihm ab den Posten des Kurators für die Abteilung "Arms and Armored" ("Waffen und Rüstungen") im New Yorker "Metropolitan Museum of Art". Zeitgleich machte ihm der Lehning Verlag den Vorschlag die Winnetou-Geschichten Karl Mays als Comic umzusetzen. Da er begeisterter Karl May Leser war, sagte Helmut Nickels freudig zu und produzierte von New York aus die bisher gelungenste Comicfassung Winnetous. Als jedoch Gagen und Belegexemplare aus Deutschland ausblieben, hörte Helmut Nickel 1965 mit dem Comiczeichnen auf. Er schrieb und illustrierte mehrere Fachbücher. 1988 ging er in Pension und siedelte mit seiner Ehefrau Hildegard nach Florida über. Hier war Nickel wesentlich am Aufbau eines Museums über die vorkolumbianische Kultur der Calusa-Indianer beteiligt. In Deutschland wurden seine Comicarbeiten seit den siebziger Jahren "wiederentdeckt" und es erschienen Fachartikel sowie Neuauflagen seiner Werke.

Anlässlich des Münchener Comicfestivals wird Helmut Nickel den Münchner Comicpreis PENG! für sein Comic-Lebenswerk erhalten. Er schrieb dem Festival: "Es hat mich sehr gefreut und gerührt, dass Sie meine Frau und mich, nicht nur zum diesjährigen Treffen deutscher Comicliebhaber nach München eingeladen haben, sondern darüber hinaus vorhaben mir für mein schon so lange zurückliegendes "Lebenswerk als Comicautor und -Zeichner" den renommierten PENG!-Preis zu verleihen."


Peters seltsame Reisen

Wer mehr zum Thema Helmut Nickel wissen will, dem sei das Comicfachmagazin DIE SPRECHBLASE empfohlen. Die Nr. 217 (aber auch die aktuelle Ausgabe 221) enthält ein großes Special über den Künstler mit akribisch recherchierten Hintergrundinformationen und vielen Farbabbildungen.

Rechtzeitig zum Comicfestival gibt es zwei Neuerscheinungen. Der Salleck Verlag veröffentlicht erstmals komplett in Farbe Helmut Nickels Serie "Peters seltsame Reisen". Bei der Edition 52 erscheint ein Hommageband zu Helmut Nickel und Karl May mit diversen Zeichnern wie z.B. Derib oder Hansrudi Wäscher und umfangreichem Sekundärmaterial.

Detlef Lorenz


Helmut-Nickel-Ausstellung im Rahmen des Comicfestivals München
Jagd- & Fischerei-Museum
8. Juni - 10. Juli 2011
Neuhauser Str. 2, 80331 München
www.jagd-fischerei-museum.de

Öffnungszeiten:
Täglich (Montag bis Sonntag) von 9.30 Uhr bis 17 Uhr, letzter Einlass 16:15 Uhr.
Donnerstag Abendöffnung bis 21 Uhr, letzter Einlass 20:15 Uhr.

Hier geht es zur ausführlichen Helmut-Nickel-Biographie von Detlef Lorenz

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